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Mauri-Schülerin auf Forschungsexpedition in Island

Die Nächte waren kurz für Julia Werner und die anderen Jugendlichen. Die Tage dafür umso beeindruckender. Eine Woche verbrachte die 17-jährige Attelnerin mit 20 anderen Jugendlichen in Island, um zu forschen. Entstanden ist ein dicker Forschungsbericht und geblieben sind viele unvergessliche Erinnerungen.
Forscherin steht nicht ganz oben auf der Liste der Berufswünsche von Julia Werner. „Eigentlich will ich Medizin studieren und Notärztin werden“, erzählt die Schülerin  der Q1. Aber als Erdkunde-Lehrer Gebhard Brüggemann vor einiger Zeit die Frage stellte „Wo soll’s denn hingehen? Südkap, Nordkap oder Island?“, war für die 17-Jährige schnell klar, dass sie der kleinen Insel mit Nordwesten Europas einen Besuch abstatten möchte. „Island ist kein Hauptreiseziel, aber die Landschaft ist wunderschön. Auf der einen Seite gibt es Gletscher wie aus Fotobüchern und Schnee und direkt daneben sieht man grüne Wiesen“, sagt die Schülerin, die im kommenden Jahr ihr Abitur macht. „Außerdem arbeite ich gerne naturwissenschaftlich.“
Island2Da kam das Programm „Master MINT“ der IJM-Stiftung gerade richtig. Das Heidelberger Institut für Jugendmanagement (IJM) schickt deutschsprachige Kinder, Jugendliche und Heranwachsende um die ganze Welt und begleitet sie auf innovativen Bildungswegen. Dazu zählen nicht nur Expeditionen, sondern auch Online-Lernprogramme und Akademien. Das Programm „Master MINT“ steht dabei unter dem Motto: „Wissen ist Zukunft, die Spaß macht.“ Und ihren Spaß hatte Julia Werner direkt an der Idee, Island zu erkunden. Mit einem Motivationsschreiben und einem Lebenslauf bewarb sie sich und durfte ihre Koffer packen. Die Firma Claas unterstützte die Forschungsreise der jungen Attelnerin mit 500 Euro.
Schon beim vorbereitenden Treffen aller Nachwuchsforscher in Heidelberg wurde Julia Werner klar: Wissenschaft macht Spaß, ist aber auch verdammt anstrengend. Mit IJM-Gründer und Expeditionsleiter Gero Schäfer sowie Betreuer Sebastian Stark erarbeiteten die 21 Jugendlichen aus Deutschland, Österreich und Malaysia ihre Methodik, grübelten in Brainstormings und verbrachten die Nacht vor dem Abflug auf ISO-Matten. Als die Nachwuchsforscher im Flugzeug Richtung Neuseeland saßen, war dann schließlich auch klar, wo die wissenschaftliche Reise hingehen sollte: Vulkanismus und Klima; Flora und Fauna; Mensch, Kultur und Sprache sowie Wirtschaft und Infrastruktur standen auf der Forschungsliste.
Island3In Keflavik startete die Expedition. Islands sechstgrößte Stadt hat nicht mal halb so viele Einwohner wie Büren. Dafür erlebten Julia Werner andere Höhepunkte. „Wir sind einen Wasserfall hochgeklettert, waren in einem Gletschersee schwimmen und haben sogar Polarlichter gesehen“, berichtet Julia Werner. Weniger Forscherdrang als Tatkraft war gefragt, als die Gruppe eines ihrer festgefahrenen Autos aus dem Schlamm schieben musste. Eine geplante Gletscherwanderung musste ausfallen: Das Eis war geschmolzen. Auch in Island ist der Klimawandel spürbar.
Doch nicht nur in der Natur forschten die jungen Leute. „Wir haben uns auch das Straßensystem angeschaut und im Supermarkt überprüft, welche Produkte importiert werden“, erzählt Julia Werner. In Gesprächen mit Isländern fand die Gruppe zudem heraus, wie zufrieden die Einheimischen mit dem Leben auf ihrer Insel sind. Wer viel forschen will, braucht auch viel Zeit. Morgens ging es um 7.30 Uhr los, erst mitten in der Nacht lagen die Jugendlichen im Bett. „Wir haben alles selber gemacht: Unsere Daten ausgewertet, eine Dokumentation erstellt und die Leute per Social Media informiert. Das war schon viel Arbeit, aber ich würde es immer wieder machen“, sagt Julia Werner. Denn der 17-Jährigen bleiben nicht nur der dicke Forschungsbericht, Bilder und Videos. Aus Island nimmt sie auch unvergessliche Erinnerungen und neue Freunde mit.

 

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