Klasse 9b am Paderborner Theater

„Andorra“…und die Frage, ob jede Gesellschaft einen Schuldigen braucht  
Bei dem Schweizer Schriftsteller Max Frisch muss man an viele Werke denken: „Biedermann und die Brandstifter“, „Stiller“, „Homo faber“, etc., aber auch sein Parabelwerk „Andorra“ bleibt meist nicht unerwähnt. Schon längst Eingang in den Schulkanon gefunden und zur gängigen Pflichtlektüre geworden, ist es nicht mehr aus dem Unterricht wegzudenken, so auch in der Jahrgangsstufe 9 unserer Schule. Nachdem sich die Schülerinnen und Schüler der 9b nun schon im Unterricht ausführlichst mit dem Werk beschäftigt hatten, ging es für sie schließlich am letzten Freitag zusammen mit ihrem Deutschlehrer Herrn Schmidt nach Paderborn. Hier bot sich ihnen die Möglichkeit, das Stück im „Großen Haus“ des Theaters einmal hautnah und visuell zu erleben.

„Andorra“ – modellhaft für eine Gesellschaft, in der Fremdenfeindlichkeit und Rassismus zu Diskriminierung führen – entstand 1961 als direkte Antwort auf die Schrecken des Nationalsozialismus und der damit einhergehenden Judenverfolgung, der Shoah. Und obwohl das Stück nun schon fast 60 Jahre alt ist, hat es bis heute nichts von seiner Aktualität und Bedeutsamkeit eingebüßt.

Hier eine kurze Zusammenfassung:

Andri – angeblich Jude – wächst in der fiktiven Kleinstadt Andorra als Ziehsohn eines Lehrers auf. Als Jude wird er von der Bevölkerung zwar geduldet, hat aber mit schwerwiegenden Anfeindungen zu kämpfen. Die Andorraner wissen, was einen guten Bürger ausmacht und scheinen sich deshalb mit dem Anderssein von Fremden und ihren Fehlern gut auszukennen. Als das Land von den sogenannten „Schwarzen“, einem überlegenen und antisemitischen Staat, bedroht wird, schlagen die alltäglichen Diskriminierungen in Gewalt um. Um Andri zu schützen, offenbart ihm sein Ziehvater seine tatsächliche Herkunft: Er stammt aus einer unehelichen Liaison. Doch nach all den Jahren kann er seine jüdische Identität nicht mehr aufgeben – zu sehr hat er al diese Vorurteile längst akzeptiert. Schließlich wird Andri von dem Nachbarvolk ermordet, während seine eigenen Landsleute tatenlos zusehen. Daraufhin legitimieren diese ihre Feigheit und ihr Fehlverhalten vor dem Publikum und leugnen ihre Schuld.

Für die Schülerinnen und Schüler war dies ein spannender und zugleich sehr lehrreicher Abend, nicht wenig haben sie aus dem Stück mitgenommen was Vorurteile und deren Entstehung angeht. Und wer weiß, vielleicht hat ja doch so der ein oder andere mehr Lust auf Theater bekommen…Zwei weitere Aufführungen von Andorra folgen zumindest noch: am 21.02.19 und am 25.04.19

Annika Mehring, Q2

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