Weimarfahrt des LK Deutsch (Q2)

Auch wenn man nicht zu denen gehört, die täglich vor dem zu Bett gehen eine Goethe-Lektüre lesen oder beim Aufwachen ein Schiller-Zitat auf den Lippen haben: Zu Weimar fällt jedem sofort etwas ein! An keinem anderen Ort fühlt man sich der jüngeren deutschen Geschichte und dem literarischen Erbe so nahe wie hier. Nirgendswo präsentieren sich Bildende Künste und musikalische Traditionen, Landschaftsgärtnerei und Architektur in einer solchen Vielfalt und Fülle auf so engem Raum! Und genau das durften auch die 23 Schülerinnen und Schüler des Deutsch-LK aus der Q2 erfahren, die am 28. und 29. September zusammen mit Herrn Schmidt und Frau Bleckmann zwei aufschlussreiche und spannende Tage in dem sogenannten „Ilm-Athen“ verbrachten.
Nach der Ankunft in der viertgrößten Stadt Thüringens ging es für den Kurs direkt in den Park an der Ilm, dem mit einer Fläche von 48 Hektar größten und bekanntesten Landschaftspark der Klassikerstadt. Er wurde seit seiner Errichtung im 18. Jahrhundert unter Beteiligung von Goethe kaum verändert und zählt somit zu den am besten erhaltenen Parkanlagen des Klassizismus und der Romantik. Er wurde nach künstlerischen Gesichtspunkten bepflanzt und bebaut, es entstanden Sichtachsen, eindrucksvolle Bildfolgen und hinter jeder Wegbiegung ein neuer Blick…ein Anblick der auch uns als Kurs wirklich sehr begeisterte. Neben dem Besuch des Ilm-Parks stand auch eine Besichtigung von Goethes Gartenhäuschen auf dem Plan, an dem der Dichter zeitlebens gehangen hat. Sechs Jahre wohnte Goethe in diesem Haus und so manches Gedicht, mancher Text und manche Zeichnung entstand hier. Unter den Originaleinrichtungsgegenständen befindet sich u. a. auch das bekannte Stehpult mit Sitzbock, an dem Goethe seinen „Egmont“ schrieb und am „Wilhelm Meister“ und am „Faust“ arbeitete. Vier Wochen vor seinem Tod kam er ein letztes Mal an diesen Ort, wie uns erklärt wurde, und schon bald darauf war das weißgraue Haus am Hang eine Pilgerstätte für Kulturliebhaber geworden und ist es bis heute geblieben. 
Nach einer kleinen Stärkung ging es schließlich für den gesamten Kurs in das Deutsche Nationaltheater, wo Shakespeares Meisterwerk „Macbeth“ aufgeführt wurde. Aus diesem Stück konnten die Schüler entnehmen, wie Macht funktioniert, wie man sie erobert und was es kostet, sie zu erhalten. Wie wird man zum Beispiel König, fragt sich der Titelheld Macbeth. Indem man denjenigen, der den Thron besetzt hält, beiseite räumt, lautet die eindeutige Antwort. Obwohl oder gerade, weil es sich bei diesem Stück um eine sehr moderne Inszenierung handelte, war es für den gesamten Kurs eine interessante und nicht zuletzt auch sehr lustige Erfahrung, die den Schülern sicherlich noch lange im Kopf bleiben wird.
Eine Stadtführung am zweiten Tag konnte den Schülern zudem noch einen Gesamtüberblick über die Weltkulturerbestadt verschaffen, wobei besonders auf die Historie der Stadt aber auch auf berühmte Persönlichkeiten Weimars eingegangen wurde.
Außerdem besuchte der Kurs auch die Gedenkstätte Buchenwald, wo sich die Schülerinnen und Schüler bewegende Eindrücke über die Willkürherrschaft der Nationalsozialisten verschaffen konnten: Hier auf dem Ettersberg, der auf ewig „mit dem Leben des Dichters Goethe in Zusammenhang“ stünde, so hieß es, befand sich von 1937 bis 1945 das größte Konzentrationslager Deutschlands. Anfangs für Regimegegner, Kriminelle, Juden und Homosexuelle bestimmt, wurde es zunehmend ein Lager für Kriegsgefangene und Verschleppte aus anderen Ländern. In 146 Außenkommandos schufteten sie für die Rüstungsindustrie, bis sie starben. Massenerschießungen, medizinische Experimente und Folter standen auf der Tagesordnung. Von den über 250 000 Häftlingen aus über dreißig Nationen wurden mehr als 50 000 ermordet oder fanden auf andere grauenvolle Weise ihren Tod. Gegen Kriegsende wurden schließlich Tausende auf Todesmärsche geschickt. Das Eingangstor mit der zynischen Überschrift „Jedem das Seine“, die Krematorien und Überbleibsel der Baracken, die Fotos der Häftlinge, ihre Kleidung und Habseligkeiten in der „Effektenkammer“, die scheinbar unendliche Weite des Geländes von Buchenwald – all das hinterließ extreme Betroffenheit und Bilder, die man nicht vergessen kann.
Trotz des straffen Zeitplans blieb den Schülerinnen und Schülern noch ein wenig Zeit, um die thüringische Kulturstadt auf eigene Faust zu erkunden und dank einiger Schlenker unseres Reiseleiters hatte der Kurs auch die Möglichkeit, möglichst viele Denkmäler und Sehenswürdigkeiten der Klassikerstadt, wie z. B. die „Fürstengruft“, zu besichtigen. Alles in allem – eine tolle Erfahrung.

Ein herzliches Dankeschön geht an Herrn Schmidt für sein Engagement bei der Planung und Organisation dieser Studienfahrt, aber auch an Frau Bleckmann für ihre hilfreiche Unterstützung und Betreuung während der Fahrt.

(Annika Mehring, Q2)

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Impressionen aus Weimar:

Die Janusköpfigkeit der Klassikerstadt: Humanismus versus Nationalsozialismus – Ein Besuch in der Gedenkstätte Buchenwald

Im Ziffernblatt der Turmuhr ist der Zeitpunkt der Befreiung Buchenwalds – 15:15 Uhr am 11. April 1945 – festgehalten.

„Instrumentelle Vernunft“- Die Schornsteine der Krematorien von Buchenwald

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